Höchste Löhne trotz tiefster Margen

Im Bauhauptgewerbe betragen die Margen im Durchschnitt nur gerade 2 bis 3 Prozent, gegenüber 7 Prozent in den restlichen Sektoren. Und dies, obwohl die Branche die besten Handwerkerlöhne bezahlt.

In den letzten zwanzig Jahren ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe von 15 auf 20 Milliarden Franken geklettert. Auch die Löhne sind kontinuierlich gestiegen, mit einer durchschnittlichen realen Lohnerhöhung von 0.6% pro Jahr zwischen 2004 und 2019. Allein in den vergangenen zwei Jahren sind die Minimal- und Reallöhne nach Landesmantelvertrag um 160.- Franken gestiegen ( 80.- Franken im Jahr 2019 und 80.- Franken per 1. Januar 2020).

Hinter diesen Zahlen versteckt sich jedoch eine ganz andere Realität. Während die Arbeitnehmer von einer jährlichen Lohnerhöhung von 0.6 Prozent pro Jahr profitieren konnten, mussten die Baumeister stagnierende, ja gar sinkende Margen zwischen 2 und 3 Prozent in Kauf nehmen.

Angesichts des hohen Preisdrucks konnten sie ihre Preise nicht erhöhen. Demzufolge ist das Preisniveau in den letzten 15 Jahren unverändert geblieben, trotz beträchtlicher Investitionen in Baumaschinen und neue Technologien. Diese Investitionen haben zwar Produktivitätssteigerungen ermöglicht, die jedoch nicht auf die Preise umgewälzt werden konnten und daher in erster Linie den Bauherren zugutekamen.

Arbeitsplätze sichern anstatt die Löhne weiter zu erhöhen

Während die Preise stagniert haben, sind die Auslagen der Baumeister kontinuierlich gestiegen, insbesondere die Lohnnebenkosten. Es ist eine Tatsache dass das Bauhauptgewerbe die höchsten Handwerkerlöhne bezahlt, während Investitionen in die Produktion Arbeitserleichterungen auf der Baustelle ermöglichen.

Mit tiefen Margen von lediglich 2 bis 3 Prozent wirkt sich jede Erhöhung der Lohnkosten negativ auf die Bereitschaft der Unternehmen aus, neue Mitarbeitende einzustellen. Aufgrund des Coronavirus ist das Auftragsvolumen der öffentlichen Bauherren im ersten Halbjahr um 9 Prozent zurückgegangen. Auf das ganze Jahr gesehen prognostiziert der SBV einen Umsatzrückgang von mehr als 5 Prozent. Nichtsdestotrotz haben die Gewerkschaften für das nächste Jahr eine allgemeine Lohnerhöhung für sämtliche Arbeiter im Bauhauptgewerbe gefordert.

Eine solche Erhöhung wäre für viele Bauunternehmen der K.O.-Schlag in ihrem unermüdlichen Einsatz für den Erhalt der Arbeitsplätze.

In Zeiten der Rezession ist und bleibt das vorrangige Ziel der Baumeister der Erhalt der Arbeitsplätze, anstatt gewerkschaftspolitischen Forderungen nachzugeben, die nichts mit der Realität zu tun haben.

 

Autor: Corine Fiechter

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