Gutes kann noch besser werden

Der Baustoff Beton hält seine Marktanteile, wie Martin Maniera, Leiter Wirtschaftspolitik, im diesjährigen Zahlen und Fakten herausgearbeitet hat. Sein Verbrauch liegt seit Jahren auf dem gleichen Niveau. Neu punktet das Baumaterial mit einer grösseren Nachhaltigkeit. 

Die Universität St.Gallen möchte mit einem neuen Lehrzentrum zukunftsweisende didaktische Formen ermöglichen. Zukunftsweisend ist auch die Bauweise: Von den insgesamt 6000 Kubikmeter Beton, die im HSG Learning Center verbaut werden, wird rund die Hälfte der nachhaltige Beton Evopact Plus von Holcim sein, der den ressourcenschonenden Zement Susteno enthält.  Der Baustoff wird vom nur 3 Kilometer entfernten Holcim Betonwerk in St. Gallen geliefert. Marcel Kunz, Polier beim Baumeister Feldmann Bau, zeigt sich überzeugt vom neuen Beton: «Es war ein Experiment für uns, da wir zum ersten Mal mit dem Produkt gearbeitet haben. Nachdem wir aber etwas Erfahrungen mit dem Verhalten des Baustoffs gesammelt haben, bin ich sehr zufrieden damit. Es ist ein wunderbarer Beton.» Ein weiterer spannender Nachhaltigkeitsaspekt ist ausserdem das Hohlkörpersystem, das der Baumeister einsetzt: Rund 900 bis 1200 Hohlkörper pro Stock werden direkt in den Decken eingegossen, was deren Masse um rund 17 Prozent reduziert und das Erdbebenverhalten des Gebäudes begünstigt. «Jeder Hohlkörper fasst rund 13 Liter. Pro Betonieretappe lassen sich so zwischen 13 und 15 Kubikmeter Beton einsparen» so Marcel Kunz. Das System mit Hohlkörpern im Beton war zum ersten Mal an der Swissbau 2010 vorgestellt worden und hatte dannzumal den Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Es orientiert sich an der Natur, genauer an den Knochen, die ebenfalls Hohlkörper enthalten aber fester sind, als sie es ohne Hohlkörper wären.

Nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit will die HSG mit dem Neubau punkten, sondern auch mit der Architektursprache. Die filigranen architektonischen Formen in Sichtbeton erhalten durch die Zugabe von Weisszement ihr Aussehen.

Guter Baustoff 

Das Beispiel zeigt: Beton ist dabei, nachhaltiger zu werden, ohne aber seine guten Eigenschaften, nicht zuletzt in Sachen Ästhetik, einzubüssen. Neu ist, dass bei der Produktion von Beton Mischabbruch zum Einsatz kommt, zum Beispiel im bereits erwähnten Zement Susteno von Holcim. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Zement aus Mischabbruch über sehr gute Qualitäten im Hochbau verfügt. Anfänglich war dies bezweifelt worden.

Der Pionier macht weiter 

Ein Pionier in Sachen Recyclingbeton ist Eberhard. Das Unternehmen nahm im Jahr 1983 seine erste Recyclinganlage in Betrieb und verarbeitet mittlerweile 450 000 Kubikmeter Abbruchmaterial zu Recyclingbeton. Ein Portalroboter sortiert den Mischabbruch und entfernt Teile wie Plastik, die nicht weiter verarbeitet werden. Mit EbiMIK plant Eberhard diesbezüglich einen Ausbau. Es sollen drei neue Anlagen mit intelligenten Robotern entstehen.

«Branche ist offen dafür»  

«Wir setzen in unserer Branche, speziell bei KIBAG, seit Jahren und zunehmend überall Recyclingbaustoffe ein. Und zwar so viel, wie nur irgendwie möglich. Der Markt und das Potential dafür werden auch vielerorts bereits voll ausgeschöpft. Asphalt, Kalksandsteine, Backsteine, Beton- und Mischabbruch, Holz, Kartone und mehr. Alles, was mineralisch und auch nicht mineralisch ist, wird nach Möglichkeit wiederverwertet. Angebot und Absatzmöglichkeiten werden vom Markt bestimmt, von gesetzlichen Grenzwerten auch, Umweltnormen und so weiter. Persönlich erlebe ich die Bauherrschaften im Wesentlichen sehr offen für Recyclingbaustoffe, nicht zurückhaltend», sagt Ulrich Widmer, CEO der KIBAG Holding.

Beim Baumaterial setzt das Bauhauptgewerbe heisst das Motto im Bauhauptgewerbe also immer öfter: Recyceln statt deponieren. Das hat Zukunft.

 

 

Autor: Susanna Vanek

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