Wie ein Bauunternehmer rund 1000 LKW-Fahrten einspart

Bei den Baumeisterarbeiten zur Hochwassersicherheit Sarneraatal kommt eine Variante zum Zug, mit der sehr viel CO2 eingespart wird und die mithilft, die Kosten zu senken.

geblieben ist: Im August 2005 standen weite Teile von Sarnen unter Wasser. Das Hochwasser, das weite Teile des Kantons Obwalden und der Schweiz heimsuchte, sorgte für massive Schäden. Verständlich, dass gleich danach der Ruf laut wurde, man solle gegen solches Wetterunbill besser gewappnet sein. Der Regierungsrat wies in der Folge das Bau- und Raumentwicklungsdepartement an, die Arbeiten zum Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal an die Hand zu nehmen und mit den Gemeinden zu koordinieren. In einer ersten Phase wurden die Schutzziele zur Hochwassersicherheit Sarneraatal festgelegt und Massnahmenvarianten ausgearbeitet. Auch wenn das Stimmvolk die entsprechenden Vorlagen zügig an- nahm und die Projektierungsarbeiten unter Hochdruck vorangetrieben wurden, dauerte es etliche Jahre, genauer bis 2013, bis eine Expertengruppe zum Schluss kam, das Projekt «Sarneraa mit Hochwasserentlastungsstollen Ost» sei das beste Projekt für den Hochwasserschutz. Weitere Jahre zogen ins Land, aber im 2019 konnten die Bauarbeiten, die der Kanton Obwalden als «Jahrhundertprojekt» bezeichnet, endlich gestartet werden.

Grosse Innovation

Dabei kommt bei diesem Bauprojekt eine grosse Innovation zum Zug. Um das Baufeld trockenzulegen, war ursprünglich ein Kastenfangedamm geplant. Dieser war auch in der Bauauschreibung vorgegeben. Die Meier + Jäggi AG suchte indes nach einer Vereinfachung, einer Variante ohne Materialfüllung, um eine signifikante Reduktion der CO2-Emissionen zu bewirken. Dazu muss gesagt werden, dass Varianten eine der Stärken der Meier +Jäggi sind. Sie offerierte entsprechend die Alternativvariante und erhielt den Zuschlag.«Unser Bauführer Juan Olavarria hatte deshalb die Idee, ein anderes Verfahren zu wählen, und zwar eine Spundwand mit Ringspriessung», sagt Markus Marti, Projektleiter bei der Meier + Jäggi AG. «Eine polygonale Ringspriessung hatte unser Unternehmen Meier + Jäggi AG schon einmal angewandt für eine Baugrubensicherung», erzählt er. Dabei handelt es sich um ein polygonales Bauausteifungssystem, das gegenüber der herkömmlichen Kreuzspriessung, die sonst in Baugruben zum Einsatz kommt, den Vorteil aufweist, dass sehr viel Platz verbleibt. In Sarnen fungiert die Ringspriessung wie eine Art liegende Brücke, die von zwei starken Widerlagern gestützt wird. Die Schale bewahrt dabei die Dichtigkeit, auch wenn sie filigran ist, weil alle Lasten vom Druckbogen aufgenommen werden. Sie ist einhäuptig. Das System wurde von der Meier + Jäggi AG zum Patent angemeldet.

50 Prozent CO2-Emissionen gespart

Das von der Meier + Jäggi AG gewählte System weist gegenüber dem Kastenfangdamm bedeutende ökologische Vorteile auf. So wurden circa 2000 Quadratmeter Spundwand nicht benötigt. Dadurch reduzierte sich die Anlieferung des Baugrubenmaterials sowie die Füllung des Fangedammes stark. Auf diese Weise konnten folglich 1000 LKW-Transporte eingespart werden. Marti schätzt, dass bezogen auf die Arbeiten des Baugrubenschlusses ungefähr 50 Prozent CO2-Emissionen eingespart wurden. Dies kommt der Umwelt, den Anliegern und dem Bauherr zugute. Ein Vorteil ist es auch für den ausführenden Betrieb: Die Einsparungen vermindern auch die Kosten, weswegen die Meier + Jäggi AG im Submissionsverfahren. vom Kanton Obwalden den Zuschlag erhielt. Weiter vereinfacht sich durch die Variante der Bauablauf, was die Wahrscheinlichkeit, dass der Terminplan eingehalten werden kann, erhöht, zumal ein Teil der Zeitersparnis für einen Zeitpuffer verwendet wird. Dies entspannt die Terminsituation zusätzlich. Gleich neben der Grube führen Gleise der Zentralbahn vorbei. Die Bahnanlage wird somit durch den Baubetrieb weniger frequentiert, was eine Reduktion des notwendigen Sicherheitspersonals ermöglicht. Dringt bei einem Kastenfangedamm Wasser in die Baugrube ein, ist es schwierig, das Leck zu lokalisieren. Beim Ringspriesssystem besteht die Möglichkeit einer schnellen und klaren Ortung. Das macht es im Ereignisfall einfacher, die undichte Stelle gezielt abzudichten.

Abfallend und zerklüftet

Die Fachleute von Meier + Jäggi mussten dennoch einige Herausforderungen meistern. So steigt das Terrain steil in welchem die Spundwände in den Hohgant-Schiefer eingerammt werden mussten. Diese Steinformation weist teilweise sehr harte Stellen auf. Das hätte das Einrammen dieser Träger im Falle von schlechten geologischen Verhältnisse verunmöglicht oder sehr erschwert. Bei den Bauarbeiten zeigte sich, dass der Hohgant-Schiefer im Bereich der Baugrube verwittert ist. Die Verantwortlichen der Meier + Jäggi AG hatten vorher probehalber einen Träger ausserhalb des Sees einrammen lassen und den Zuständigen des Kantons Obwalden so vorgeführt, wie sie sich den Bau ihrer Alternativvariante vorstellten. Beim Einrammen kam ein schwerer Hydrohammer zum Einsatz. Gearbeitet wurde von einer grossen Pontoneinheit aus, auf welcher ein ein 50-to-Gittermastkran als Trägereinheit diente. Die Ringspriessung wurde extern vorgefertigt und im Vorfeld auf die Vollständigkeit kontrolliert. Mittels eines CAD-Programms wurde diese auf Basis der statischen und örtlichen Begebenheiten dimensioniert und als «Baukastensystem » angeliefert, was auf der Baustelle zu einem wesentlich kürzeren Montage- als auch Demontagetermin führt. Die Spriessrohre wurden auf der vormontierten Montageplattform aufgelegt und die Knotenpunkte nachträglich mit einem Konstruktionsbeton ausgegossen. Es handelt sich dabei um reine Druckverbindungen ohne zusätzliche Schweissungen.

Autor: Susanna Vanek

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