Wie der Transport künftig aussehen soll

Funktionierende Lieferketten sind wichtig, hat sich während des Corona-Lockdowns gezeigt. Ab 2031 soll im Schweizer Mittelland der Güterverkehr unter der Erdoberfläche abgewickelt werden.

Leere Gestelle in den Supermärkten – als sich die Situation mit Corona zuspitzte, war vieles anders als sonst. Dass wir die Ware erhalten, die wir benötigen, ist jedoch auch in «normalen» Zeiten nicht selbstverständlich. Staut sich auf den Strassen der Verkehr, bleiben LKWs stecken. Und verursachen dabei, nebenbei gesagt, sehr viele Emissionen.

Blicken wir in die Kristallkugel: Wie wird sich die Schweiz in Sachen Lieferung von Gütern im Jahr 2040 präsentieren? Das ist das Jahr, auf das der Schweizerische Baumeisterverband mit seinem Tour d’horizon blickt. Im Jahr 2040 kam das Müesli, das Familie Schweizer beim Frühstück isst, sehr umweltfreundlich ins Supermarkt-Gestell. Und egal, was beim Verkehr auf den Strassen abgegangen ist, Lieferungen waren davon praktisch nicht tangiert.

Zukunftsmusik, Science Fiction? Nein, die Realität von Cargo sous terrain. Dabei geht es darum, die Verkehrsproblematik nicht unter den Teppich zu kehren, sondern unter die Erdoberfläche zu verlagern – genauer den Güterverkehr. Cargo sous terrain heisst das Projekt eines Gesamtlogistiksystems für den flexiblen Transport kleinteiliger Waren. Die Vision dabei: Im Schweizer Mittelland gibt es einen Tunnel, der Produktions- und Logistikstandorte mit den Kundinnen und Kunden in den städtischen Zentren verbindet. Kommen die Waren vom Untergrund nach oben, dann werden sie beim Projekt Cargo sous terrain in umweltschonenden elektrischen Fahrzeugen verteilt. Der Strom für den Betrieb des Systems soll vollständig aus erneuerbaren Energien stammen.

Die erste Teilstrecke des ehrgeizigen Projektes soll ab 2031 den Raum Härkingen-Niederbipp mit Zürich verbinden. Die Gesamtkosten dafür sind auf 3 Milliarden Franken veranschlagt. In diesen Kosten sind auch die Software, die Hubs sowie die unter- und oberirdischen Fahrzeuge eingerechnet. Bis 2050 soll ein 500 Kilometer langes Gesamtnetzt zwischen dem Boden- und dem Genfersee entstehen, mit Ablegern nach Basel, Luzern und Thun.

Finanzierung: Private übernehmen

Das tönt gut. Allerdings stellt sich die übliche Frage: Wer soll das bezahlen? Es wäre gut, wenn Cargo sous terrain mehrheitlich durch die Wirtschaft finanziert würde, sagte Alt-Bundesrätin Doris Leuthard in einem Interview im Jahr 2016. In der Tat hat sich dieser Wunsch erfüllt. Zahlreiche Unternehmen aus der Transport-, Logistik-, Detailhandels-, Telekom- und Energiebranche fungieren als private Investoren und übernehmen als solche die Kosten für den Bau der Infrastruktur und den Betrieb des Tunnels.

Neues Gesetz

Nun versteht sich von selbst, dass es von juristischen Gesichtspunkten nicht ganz einfach ist, im Schweizer Mittelland im Erdinnern einen sehr langen Tunnel bauen zu wollen. Es stellen sich zahlreiche Fragen. Daher braucht es, um die unterirdische Gütertransportanlage über Kantonsgrenzen hinweg betreiben zu können, neue rechtliche Grundlagen. In der Vernehmlassung zum Bundesgesetz über den unterirdischen Gütertransport (UGüTG) erhielt Cargo sous terrain (CST) die Unterstützung einer grossen Mehrheit

der Akteure aus Politik und Wirtschaft. Basierend auf diesen partei- und branchenübergreifend positiven Rückmeldungen hat der Bundesrat am 29. Januar 2020 beschlossen, die Gesetzesgrundlage für Cargo sous terrain zu schaffen.

Corona hat Cargo sous terrain nicht ausgebremst – in Bern wurde ganz im Gegenteil mit Hochdruck an der Ausarbeitung der Gesetzesgrundlage gearbeitet, wie Patrik Aellig, Leiter Kommunikation von CST, verrät. Im Jahr 2022 sollen beide Kammern des Parlamentes das UGöTG gutheissen. In den Jahren 2025 oder 2026 soll der Spatenstich für den Tunnelbau erfolgen.

Autor: Susanna Vanek

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