Sanierung bei Normalbetrieb

Trotz Corona: Die Sanierung des Südtraktes des Bahnhofs Zürich schreitet termingerecht voran. Die Schwierigkeit besteht darin, dass einerseits der Bahnhof weiterhin Drehangel von vielen Pendlerinnen, Pendlern und Reisenden ist, andererseits dass die Sanierung eine Grossküche betrifft, die umplatziert werden musste.
Die alten Haustechnikanlagen wurden bereits abgebaut. Sie zählten 30 Jahre und entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen.
In Zürich erzählt man sich gerne, dass der HB Zürich eine ewige Baustelle ist. In der Tat haben seit 1847, als der Bahnhof für die Spanisch Brötli-Bahn erstellt wurde, bis zur Eröffnung der Durchmesserlinie im Jahre 2014 zahlreiche Arbeiten am Bahnhof stattgefunden und diesen so für immer neue Herausforderungen fit gemacht. Seither geht die Reise nach wie vor weiter. Nach 150 Jahren wird das denkmalgeschützte Gebäude des Hauptbahnhofes saniert. Es handelt sich um den 1871 errichteten Südtrakt und die markante Halle aus Sandstein mit ihren überhohen Räumen und Wandelgängen – also um ein architektonisches Schmuckstück, das ein solches bleiben soll. Dazu muss die Bausubstanz unter der Berücksichtigung der heutigen Normen und Gesetze restauriert werden. Erneuert wird auch, verständlicherweise, die Haustechnik. 
Die alten Haustechnikanlagen wurden bereits abgebaut. Sie zählten 30 Jahre und entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen.

 

Der Südtrakt soll so saniert werden, dass er einerseits die heutigen Anforderungen erfüllt, andererseits soll die Historie dennoch spürbar sein, etwa durch die Wiederherstellung der früheren Durchgängigkeit. Ursprünglich diente der Südtrakt als Zugang zum Bahnhof, unterteilt war er in einen Zugang für Erstklass-, einem für Zweitklass- und einem für Drittklasspassagiere. Auch die Wartehallen waren getrennt.    
Bei den Abbrucharbeiten werden auch Elektrobagger eingesetzt, die von aussen gesteuert werden.
Erste Bauetappe erfolgreich abgeschlossen 

 

In den letzten zwei Jahren wurde als erste Etappe die Arkade beim Ostportal unterkellert. Unterhalb der Wannerhalle wurden eine neue Produktionsküche eingebaut und der nördliche Teil der Sandsteinfassade der Wannerhalle erneuert. Die Produktionsküche gehört zum Unternehmen Candrian, das im Hauptbahnhof 16 Gastrobetriebe betreibt. Die Küche umfasst unter anderem eine Metzgerei und eine Bäckerei, weil möglichst viel selbst vor Ort hergestellt wird. Alle Bauarbeiten wurden unter normalem Betrieb des Südtraktes ausgeführt – und das am grössten Bahnhof der Schweiz!  Martin Riesen, der seit 2012 bei SBB Immobilien als Gesamtprojektleiter Generalsanierung Südtrakt am HB Zürich arbeitet, meint: «Dass wir im Zeitplan sind, darauf können wir stolz sein.»  
Blick in die neue Produktionsküche des Unternehmens Candrian, das im HB 16 Gastrobetriebe führt.

 

Zweite Bauetappe angelaufen 

 

Dauern wird die Sanierung bis 2023, wobei die eigentlichen Arbeiten Ende 2022 abgeschlossen sein werden. Danach können die Mieter ihre Lokalitäten einrichten.  
Über der Baustelle wurde ein riesiges Notdach installiert.
Erstellt wurde ein imposantes Schutzdach, das, obwohl das grösste in der Schweiz, immer noch etwas zu klein ist, weshalb es vergrössert werden muss. Aufgebaut wurden die Bauplatzinstallationen und das Fassadengerüst. Derzeit laufen die Rückbauarbeiten der Mietflächen sowie der anlagentechnischen Installationen. Die zweite Etappe der Fassadensanierung in der Wannerhalle auf der Seite Bahnhofquai steht kurz vor dem Abschluss.   Die SBB haben für die Arbeiten keinen General- oder Totalunternehmer beauftragt, sondern mit allen Handwerkern selber Verträge abgeschlossen. Riesen erläutert, es habe im Verlaufe des Projektes viele Änderungen gegeben, nicht zuletzt weil man trotz vorgängig erfolgten Sondierbohrungen immer wieder auf Überraschendes stosse, zum Beispiel erhaltene Stuckaturen in einem Treppenhaus, mit denen man nicht gerechnet habe. «Mit einem Total- oder Generalunternehmer wäre das ein fianzielles Fiasko geworden. Wir haben jetzt zwar eine komplexe Struktur, aber wir haben alles im Griff.» 

Die Kosten für die Sanierung betragen 144 Millionen Franken.

 

 

Autor: Susanna Vanek

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