«Eine verpasste Chance, um Arbeitsplätze zu schützen»

SBV-Direktor Benedikt Koch hat die Delegation der Baumeister in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften Unia und Syna angeführt. Er bedauert, dass keine pragmatische Lösung gefunden werden konnte, um in Zeiten der Krise Arbeitsplätze zu schützen. Die drei Verhandlungsrunden mit den Gewerkschaften Unia und Syna zu den Löhnen sind ohne Einigung zu Ende gegangen. Warum?

Benedikt Koch: Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage hat der Erhalt von Arbeitsplätzen für den SBV oberste Priorität, trotz pandemiebedingtem Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe. Unser Ziel in den Verhandlungen war, mit den Gewerkschaften in einen pragmatischen Dialog zu treten, um gemeinsam Lösungen zu finden zum Schutz von Arbeitsplätzen in unserer Branche. Wir haben für das nächste Jahr eine Anpassung der Löhne angeregt, die dazu beigetragen hätte, zahlreiche Arbeitsplätze zu retten bei gleichzeitigem Erhalt der guten Kaufkraft der Arbeitnehmenden. Mit einer Zunahme von 1.3 Prozent sind die Löhne im Bauhauptgewerbe 2020 stark gestiegen. Rechnet man den Rückgang der Konsumentenpreise mit ein, entspricht das gar einer reellen Zunahme von 2 Prozent. Das diesjährige Lohnwachstum ist viel stärker als in anderen Branchen und hätte genügend Spielraum geboten, um einen Mittelweg zwischen dem Schutz von Arbeitsplätzen und dem Erhalt der Kaufkraft zu finden.

Wieso ist dieser Vorschlag auf taube Ohren gestossen?

Die Gewerkschaften haben eine dogmatische Haltung eingenommen und jegliche Diskussion zu diesem Thema abgelehnt. Vielmehr haben sie die wirtschaftliche Realität verkannt und für das LMV-Personal eine erneute allgemeine Lohnerhöhung von 60 Franken pro Monat, eine Erhöhung der Mittagsentschädigungen, eine einmalige Prämie oder zusätzliche bezahlte Pausen am Vor- und Nachmittag gefordert. Es ist schade, dass die Gewerkschaften dem Erhalt von Arbeitsplätzen keine grössere Bedeutung beimessen.

Was bedeutet das Scheitern der Lohnverhandlungen konkret für die Unternehmen, und welches Fazit ziehen Sie daraus?

Die Tatsache, dass die Verhandlungen zu keiner Einigung geführt haben, heisst, dass es 2021 keine allgemeine Anpassung der Minimal- und Effektivlöhne gibt. Die Unternehmen können jedoch auf individueller Basis Lohnerhöhungen vornehmen. Ich wäre der Erste, der sich freuen würde, wenn gewisse Betriebe dazu in der Lage wären, aber ich bezweifle, dass sich viele dies erlauben können. Ich bin weiterhin sehr besorgt, was die wirtschaftliche Situation angeht, und hoffe, dass unsere Branche die Beschäftigungszahlen 2021 wird halten können. Mit ihrer dogmatischen Haltung haben die Gewerkschaften leider eine gute Gelegenheit verstreichen lassen, um ihren Teil zum Erhalt von Arbeitsplätzen beizutragen. In Zeiten der Krise ist es umso wichtiger, dass die Sozialpartner zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden, die sowohl für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer akzeptabel sind, denn wir sind mehr denn je aufeinander angewiesen.

Die Lohnverhandlungen haben bei den Baumeistern verschiedene Reaktionen ausgelöst, die hier zu finden sind.

Über den/die Autor/in

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Corine Fiechter

Kommunikationsverantwortliche SBV Romandie

cfiechter@entrepreneur.ch

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