Ein Mann für viele Tonarten

Am 1. Juli 2020 übergab Fred Zimmermann das KBB-Präsidium an Adrian Meer. Zimmermann war an der Reorganisation des Kantonal-Bernischen Baumeisterverbandes massgeblich beteiligt. Er findet, dass sich die Rahmenbedingungen für Baumeister verbessern müssten.

 

Eine Woche lang genoss Fred Zimmermann Mitte Juli in Lenk einen Workshop mit internationalen Jazzgrössen. Er, der Klarinette und Saxofon spielt, hat wieder mehr Zeit, sich der Musik zu widmen. Am 1. Juli übergab er das KBB-Präsidium an Adrian Meer, Geschäftsführer der Kibag AG Langenthal. «Ich wäre kein guter Baumeister, wenn ich ihm das Amt ohne Baustellen übergeben hätte», scherzt er, um ernster zu werden. «Die unternehmerische Freiheit darf nicht beschnitten werden. Leider legen die Baubehörden uns Bauunternehmern immer mehr Steine in den Weg. Viele behördliche Auflagen, Verordnungen und Entscheide sind unternehmerfeindlich. Ich finde zudem, dass gewisse Auswirkungen des Raumplanungsgesetzes und deren Interpretation durch Behörden untersucht und hinterfragt werden müssen. Es gibt viel zu tun!» Für Zimmermann war dies der Ansporn, sich beim Schweizerischen Baumeisterverband SBV zu engagieren. Als Präsident einer der grössten SBV-Sektion hatte seine Stimme nicht nur an den Delegiertenversammlungen Gewicht. Seit 2016 war er Präsident des KBB, vorher amtete er lange Jahre als Präsident der Baumeister Region Bern. An der Reorganisation des Kantonal-Bernischen Baumeisterverbandes arbeitete er an vorderster Front mit und prägte so die heutigen Strukturen. «Wir Berner Baumeister sind zusammengewachsen», erläutert er, «haben aber nach wie vor Sektionen sowie eine Delegiertenversammlung. Wir sind eine starke Sektion, in der auch sehr kritische Stimmen Platz haben. Das geht, weil wir eine kollegiale und erspriessliche Kultur pflegen. So erreichen wir unsere Ziele.» Die Berner Baumeister stellen national acht Delegierte.

Dialog wichtig

So sehr gewisse Entscheide ihn auch aufregen mögen – Zimmermann ist überzeugt, dass man den Dialog mit den Behörden suchen soll, um Kompromisse auszuhandeln. «Wir haben viele Behördengespräche geführt, zusammen auch mit Peter Sommer, unserem Geschäftsführer. Man muss dabei den richtigen Tonfall treffen, die Gespräche sind aufwendig, aber es lohnt sich, dass man sich diese Mühe macht. Man muss seine Sicht darlegen, so kann man etwas erreichen.»

Nicht akzeptabel findet es Zimmermann etwa, dass die BLS die Zahlungsfrist auf 60 Tage ausgedehnt hat. «Wir Bauunternehmer müssen auf unser Geld warten, während unsere Rechnung trotzdem fällig werden. Das geht nicht», spricht er Klartext. Sehr bedauerlich findet es Zimmermann zudem, dass der Grosse Rat des Kantons Bern dem Fonds für Investitionen für Infrastrukturbauten nicht zugestimmt hat. «Das ist für die Entwicklung des Kantons ein grosser Hemmschuh», ist er überzeugt und fügt hinzu: «Ich bin enttäuscht, dass die bürgerliche Mehrheit im Rat nicht Ja zum Fonds gesagt hat.» Der Kanton Bern, gibt er zu bedenken, sei nicht sehr visionär. «Man lässt es zu, dass wir der Kanton mit dem schweizweit höchsten Steuersatz sind und dass Firmen wegziehen. Andere Kantone nehmen Unternehmen mit offenen Armen auf.»

Klassischer Werdegang

Zimmermann startete seine Karriere mit einer Maurer-Lehre, absolvierte danach die Bauschule Aarau und beendete seinen Bildungsweg im Campus Sursee mit einem Diplom als Baumeister. 1990 trat er die Nachfolge seines Vaters bei der Zimmermann Bauunternehmung AG an, einem Unternehmen, das sein Grossvater 1930 gegründet hatte. Heute ist er Verwaltungsratspräsident dieser Firma.

«Die gleichen Probleme

«Nur zusammen ist man stark», lautet das Credo von Zimmermann. Deshalb brauche es auch den SBV. «Man soll den Unternehmen Sorge tragen. Ob Grossbetrieb oder Klein-KMU – im Grunde haben im Bau alle die gleichen Sorgen», stellt er fest. Ein Verband wie der SBV könne einiges bewirken. Gerade in der Coronazeit habe etwa die Geschäftsstelle des SBV sehr viel für die Mitgliedfirmen getan, einerseits durch die klare Forderung, auf Baustellen solle weiter gearbeitet werden, andererseits durch umfangreiche Informationen. Es habe sich wieder einmal klar erwiesen, dass es sich lohne, SBV-Mitglied zu sein. Den Mitgliedern einen klaren Mehrwert zu bieten sei auch klar das Ziel der Sektionen. «Deshalb habe ich mich zur Verfügung gestellt und habe mich im KBB engagiert», so Zimmermann. Es sei eine sehr schöne und lehrreiche Zeit gewesen, blickt er zurück. Aber jetzt sei auch gut, dass er wieder mehr Zeit für die Musik habe, meint er.

 

 

Autor: Susanna Vanek

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