Blick in die Mobilität der Zukunft 

Welche Mobilität wünschen sich die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2040? Der SBV befragt dazu die Bevölkerung im Tour d’horizon, der derzeit in Luzern aufgestellt ist.

 

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten weit voraus: Im Jahr 2022 begeht der SBV sein 125-Jahres-Jubiläum. In diesem Rahmen lädt der SBV unter dem Motto «Baue deine Schweiz der Zukunft» die Schweizer Bevölkerung seit diesem Jahr ein, ihre persönlichen Wünsche an die Bauwirtschaft zu formulieren. Eines der Themen dreht sich dabei um die Mobilität und Logistik sowie die dafür notwendige Verkehrsinfrastruktur. Die Teilnehmer können in der Umfrage ausdrücken, wie sie sich im Jahr 2040 am liebsten bewegen würden und wie ihr Einkaufsverhalten idealerweise aussehen soll. Eine Analyse des SBV zeigt auf, welche Konsequenzen daraus abzuleiten sind und welchen Herausforderungen sich die Schweizer Bauwirtschaft in diesem Zusammenhang stellen muss.

 

Das Gute liegt so nah!

 

Umweltthemen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Leute leben bewusster und nachhaltiger. Dies zeigt sich auch im Mobilitätsverhalten. Aus der im Tour d’horizon durchgeführten Erhebung geht hervor, dass sich eine grosse Mehrheit der Befragten vorstellt, ihre Freizeit in Zukunft im Naherholungsgebiet rund um Städte und Agglomerationen zu verbringen. Es soll an den nahegelegenen See, an den Fluss oder auf den Hausberg gehen. Auch ein Entspannen in den Bergen steht hoch in der Gunst der Bevölkerung. Diese Freizeitbeschäftigung wird einem Aufenthalt in den eigenen vier Wänden oder auf Balkonien deutlich vorgezogen.

Ganz klar zurückhaltend äusserten sich die Befragten gegenüber Reisen in die Ferne – und das nota bene bereits vor dem Ausbruch der Corona-Krise. Dieser Wunsch nach Naherholung in der Nähe wird sich aufgrund der aktuellen Lage wohl weiter akzentuieren.  Wie wichtig ist eigentlich der Freizeitverkehr? Von den vom Bundesamt für Statistik 2018 erhobenen durchschnittlich 90 Minuten für die tägliche Mobilität wendet der Schweizer bereits die Hälfte für die Freizeit auf. Der bereits heute grosse Anteil wird in Zukunft weiter steigen.

 

Investition in Infrastruktur und Entflechtung

 

Was bedeutet diese Tendenz für die Bauwirtschaft? Sie baut funktionierende Verkehrslösungen, welche in den nächsten Jahren starken Veränderungen unterworfen sein werden. Neue Technologien und smarte Ansätze werden sich durchsetzen. Der Freizeitverkehr wird weiter wachsen und es gilt die adäquate Verkehrsinfrastruktur dafür zu Verfügung zu stellen. Effiziente Konzepte für einen optimalen Verkehrsfluss rund um Städte und Agglomerationen sind gefragt. Die Verkehrsinfrastruktur, schon heute zum Teil an ihrer Limite, muss für die reibungslose Abwicklung der Mobilität der Zukunft ausgebaut werden. Dazu sind eine Entflechtung von Schnell- und Langsam-Verkehr, von privatem Verkehr und ÖV sowie eine Anpassung an moderne Technologien notwendig. Auf diese Weise können Staus und damit eine Verschlechterung der Lebensqualität verhindert werden.

Ein Umdenken in dieser Sache findet in der Schweiz erst statt. Die Schweizer Bevölkerung hat aber 2018 dem Bundesbeschluss über die Velowege zugestimmt. Damit hat sie sich für eine Aufwertung der Velowege entschieden. Der Bundesrat hat nun an seiner Sitzung vom 13. Mai 2020 die rechtlichen Grundlagen zur Umsetzung des neuen Verfassungsartikels geschaffen. Der Bau von Velowegen bleibt Aufgabe der Kantone. Sie haben künftig aber die Pflicht, Velowege verbindlich zu planen und für ein zusammenhängendes und sicheres Velowegnetz zu sorgen.

Auch wenn es im Ausland mehr Beispiele für eine gute Entflechtung von Schnell- und Langsamverkehr gibt, so wurden auch in der Schweiz schon gute Projekte realisiert. Ein Beispiel ist die Strecke Göschenen-Andermatt, auf der es neu eine eigene Route für Velofahrer und Wanderer gibt. Diese wurde anlässlich der Instandstellung der Gotthard-Passtrasse realisiert. Von den dazu benötigten Kosten von 105 Millionen Franken entfielen etwa ein Viertel auf die Entflechtung. Die neue Velo- und Wanderroute wurde letztes Jahr eröffnet.

 

Regionale Produkte und Online-Einkäufe

 

Die Erhebung vom SBV untermauert einen weiteren Trend: Die Befragten wollen in Zukunft ihren Konsum und Ihre Einkäufe stärker regional organisieren. Regionale Produkte und Geschäfte sollen gegenüber Gütern aus der Ferne den Vorzug erhalten. Gleichzeitig soll aber nicht auf Online-Käufe verzichtet werden. Beides Tendenzen, die durch den Corona-Effekt weiter begünstigt werden.

Der Online-Handel bringt neue Anforderungen mit sich. Es braucht mehr Kapazitäten im Güterverkehr für Langdistanzen, aber auch für die Feinverteilung. Einhergehend mit der zunehmenden Verdichtung werden wir nicht darum herumkommen, in Zukunft vermehrt im Untergrund zu bauen. Projekte werden längerfristig auch komplexer werden. Das Verlegen von Verkehrsverbindungen unter Tag wird zu Verkehrsberuhigungen und zur Aufwertung von knapper werdenden Siedlungsflächen führen.

 

Nachhaltiger Infrastrukturbau darf nicht verhindert werden

 

Der Bau schafft als Stütze der Wirtschaft die notwendigen Infrastrukturen – für den Güter- und den Personenverkehr. Für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung braucht es leistungsfähige und zuverlässige Strassen- und Bahninfrastrukturen. Dafür sollten jedoch auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bauprojekte müssen effizienter und administrativ schlanker umgesetzt werden können – dazu lancierte der SBV und Infra Suisse in der Corona-Krise den Fünf-Punkte-Plan.

Für zukunftsträchtige Bauvorhaben wie Cargo sous terrain dürfen keine voreiligen Konzepte zum Schutz des Untergrundes (vgl. Bodenstrategie des Bafu) aufgesetzt werden. Denn der Infrastrukturbau im Untergrund gilt als nachhaltiger Lösungsansatz mit grossem Potenzial.  Eine gelungene Antwort auf den oben zunehmend fehlenden Platz ist die im Jahr 2008 eröffnete U-Bahn von Lausanne, die fast vollständig in Tunneln verläuft und die erste ihrer Art in der Schweiz ist. Sie entstand aus dem Umbau der Zahnradbahn Lausanne-Ouchy und der Verlängerung in Richtung Norden.

 

Mitmachen und gewinnen!

 

Machen auch Sie mit und verraten Sie uns, wie Sie sich die Schweiz der Zukunft vorstellen.

Es lohnt sich: Unter allen Teilnehmenden werden 5 brandneue iPhones 11 Pro verlost. Mitmachen unter: www.tour-d-horizon.ch

Oder besuchen Sie unseren Tour d’horizon im Verkehrshaus Luzern. Noch bis Ende Oktober können Sie unseren Baumeister-Turm dort live entdecken, sich an erwähnten Zukunftsfragen beteiligen, Informationen zu Bauberufen sammeln und in der obersten Etage bei einer Erfrischung den Rundblick übers Verkehrshausgelände geniessen.

Autor: Susanna Vanek

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