«Bauliche Massnahmen sparen Energie»

Serie Zentralvorstand: Heinz Ineichen betont die Wichtigkeit des Baus für die Umsetzung der Energiestrategie. Er denkt weiter, dass die Digitalisierung die Qualität verbessern wird. SBW: «Wir bauen auf Qualität» lautet der Claim der Ineichen AG Zug. In diesem Jahr hat das Schweizer Parlament einen Paradigmenwechsel beschlossen, bei Submissionen zählt die Qualität stärker als bisher. Was denken Sie, dass das für den Bau bedeutet?

Heinz Ineichen: Die deutliche Verabschiedung des BöB in den Räten des Bundesparlaments ist hoffentlich der Start in eine Zeitrechnung. Viel zu lange haben sich die Vergabebehörden sehr einseitig auf den Preis gestützt und somit einen einzigen (zwar wichtigen) Aspekt im Gesamtwettbewerb stark ins Zentrum gestellt. Der Vorteil war die Eindeutigkeit und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen. Es bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung der Gesetze und Verordnungen für den Vollzug bei Kantonen und Gemeinden koordiniert stattfinden und damit einheitliche Regelungen eingeführt werden. Für das gesamte Vergabewesen ist dies eine Riesenchance für eine Neuausrichtung in eine sehr wünschbare Richtung.

Wie stellen Sie die Qualität in Ihrem Unternehmen sicher?

Ineichen: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben traditionell einen hohen Qualitätsanspruch verfolgt. Dies ist eine Grundeinstellung, welche über Jahrzehnte gelebt und umgesetzt werden muss. Dass wir dann schon früh ein Qualitätsmanagement- System eingeführt und zertifiziert haben, war eigentlich nur eine logische Folge, welche uns jedoch hilft, die Abläufe zu beherrschen und weiter zu optimieren.

Bauschäden verursachen Kosten in der Höhe von circa 8 Prozent der Bauinvestitionen im Hochbau. Das schadet dem Image des Baus. Was leistet der Schweizerische Baumeisterverband dagegen?

Ineichen: Der SBV leistet sehr viel – von der ganzen Bildungsseite (Grundausbildung, Weiterbildung, Kurswesen) her angefangen über verschiedene Publikationen und Aktivitäten zur Analyse von Bauschäden und Empfehlungen zu deren Verhinderung bis zur Unterstützung der Mitglieder im Zusammenhang mit der Digitalisierung ist das Angebot sehr vielschichtig.

Denken Sie, dass die Digitalisierung die Qualität beim Bauen verbessern wird?

Ineichen: Unbedingt – sehr viele Friktionen und Schäden entstehen in den Schnittstellen der verschiedenen Planer und Unternehmer. Gerade hier wird mit der Verwendung einheitlicher Daten und Informationen eine grosses Verbesserungspotenzial angezapft.

Zu etwas ganz anderem – Sie sind Vertreter der Innerschweiz. Wo drückt den Innerschweizer Baumeister dern Schuh?

Ineichen: Die Zentralschweiz unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Regionen, wenn wir auch weniger mit dem Einfluss der ausländischen Anbieter konfrontiert sind. Der Markt ist heute nicht mehr lokal, sondern zumindest regional ausgerichtet. Und das Preisniveau gleicht sich ebenfalls zunehmend an die angrenzenden Regionen an.

Wie voll sind Ihre Auftragsbücher?

Ineichen: Wir können zufrieden sein und schauen mit Zuversicht bereits ins neue Jahr. Der Start ist gesichert, und glücklicherweise ist unser Tätigkeitsfeld zwischen den grossen Zentren Luzern und Zürich immer noch durch einen relativ tiefen Leerwohnungsbestand geprägt.

Welche Erwartungen haben Sie an den nationalen Verband?

Ineichen: Der nationale Verband liefert die Grundlagen und Stossrichtungen für die Umsetzung auf regionaler beziehungsweise sektionaler Ebene. Zudem gibt es Themenbereiche von strategischer und nationaler Bedeutung, die eindeutig auch auf dieser Ebene anzugehen sind. Weiter muss der nationale Verband bestrebt sein, die Koordination unter den Regionen und Sektionen zu gewährleisten, um eine möglichst gleichlaufende Umsetzung der Anliegen zu gewährleisten.

Die diesjährigen Wahlen wurden durch grüne Vertreter gewonnen. Was denken Sie, dass dies für den Bau bedeutet?

Ineichen: Es ist zu hoffen, dass sich die neugewählten Parlamentarier bewusst sind, dass mit baulichen Massnahmen sehr viel Energie eingespart werden kann. Zudem ist die Umsetzung der Energiestrategie ohne bauliche Massnahmen undenkbar. Sicher sind auch für Anpassung der Mobilität an neue Bedürfnisse Anpassungen nötig. In diesem Sinne bin ich zuversichtlich, dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird.

Was hat Sie bewogen, sich im SBV zu engagieren?

Ineichen: Mein Engagement für den Verband geht schon ein paar Jahre zurück. Durch die Wahl ins Präsidium der Stiftung FAR bestand schon sehr lange eine Nähe zum SBV. Aus diesem Grund habe ich spontan zugesagt, im ZV Einsitz zu nehmen, als es um die gesundheitsbedingte Ablösung meines Vorgängers ging. Es ist eine spannende Aufgabe, auf dieser nationalen, strategischen Ebene mitzuarbeiten und die Anliegen unserer Region zu vertreten. Wo sehen Sie den SBV in fünf Jahren? Ineichen: Vermutlich werden sich verschiedene Themen auf den Traktandenlisten halten, und der SBV wird der Sozialpartnerschaft verpflichtet bleiben und die Arbeitgeberinteressen wahrnehmen. Die Digitalisierung wird jedoch nicht nur unsere Berufsbilder verändern, sondern auch zu neuen Formen der Zusammenarbeit führen. Es ist sehr gut denkbar, dass die Sitzungszimmer etwas weniger intensiv genutzt sein werden.

Sie sind im Verband und in der Firma engagiert – wie finden Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance?

Ineichen: Wir haben ein exzellentes Team in der Firma, das sehr eigenverantwortlich und selbständig den Erfolg der Bauunternehmung sicherstellt. Das erlaubt mir einigen Spielraum, den ich dann gerne mit Aktivitäten auf dem Wasser oder im Schnee fülle.

Autor: Susanna Vanek

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