Aargauer Baupolit Talk: Die drei Baustellen der Baumeister

Im Hinblick auf die Grossratswahlen gab der Baumeister Verband Aargau am Donnerstag, 17. September 2020 im KUK Aarau, fünf Kandidierenden und Ständerat Thierry Burkart eine Plattform, um sich zu präsentieren und die drängendsten Fragen des Bauhauptgewerbes zu diskutieren.
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Moderatorin Simone Steiner, ehemalige Moderatorin bei Tele M1, bat zum Einstieg Thierry Burkart, aus seinem Politalltag in Bern zu berichten. Der Ständerat machte klar, dass nebst der Arbeit im Ständeratssaal viele Sitzungen in den Kommissionen und Gespräche mit Verbänden dazu gehören. Den vier Grossratskandidaten und der -kandidatin entlockte die Moderatorin ihre vielfältigen Beweggründe für ihre Kandidaturen sowie ihre Erwartungen an das Grossratsamt – sollten sie gewählt oder wiedergewählt werden.

Bauunternehmer sind schwer zu finden für politische Mandate

Im Verlauf des Gesprächs kristallisierten sich drei Baustellen heraus, welche die Branche beschäftigen. Gerade in Wahljahren zeigt sich, dass sich viel zu wenig Bauunternehmer zur Verfügung stellen, um sich in der Politik auf Kantons- oder Bundesebene zu engagieren. Die Gründe dafür sind fehlende zeitliche Ressourcen, ungeeignete Firmenstrukturen, mögliche Interessenkonflikte und familiäre Verpflichtungen. Beat Fehlmann, Geschäftsführer, Gemeinderat und Grossratskandidat, wies darauf hin, «dass die Wahl von Bauunternehmern in den Grossen Rat oder in den National- und Ständerat für die Branche von essenzieller Bedeutung wäre, da ihre Interessenvertreter bei politischen Geschäften dadurch direkten Einfluss nehmen könnten.»

Die Talkgäste «bewundern die Bauern, die sich seit Jahren mit einer starken Vertretung in den Räten für ihre Interessen engagieren.» Alexander Eigensatz, Abteilungsleiter Tiefbau und Grossratskandidat, sieht «in der verstärkten Zusammenarbeit mit anderen Berufsverbänden aus der Baubranche starkes Optimierungspotenzial, um den Bedürfnissen des Baugewerbes in der kantonalen und nationalen Politik besseres Gehör zu verschaffen.»

Boomende Baubranche benötigt Fachkräfte

Die zweite Baustelle ist die Nachwuchsförderung durch die Besetzung von Lehrstellen. In den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften noch weiter steigen, da viele gestandene Mitarbeiter in Rente gehen. Somit geniesst die Aus- und Weiterbildung weiterhin einen hohen Stellenwert in der Verbandsarbeit.

Firmen müssen moderne Strukturen schaffen

Die dritte Baustelle betrifft die Organisation der Firmen. Karin Faes, Unternehmerin und Grossratskandidatin, hat in ihrem Unternehmen gute Erfahrungen gemacht mit dem Angebot von Teilzeitstellen sowie einer Kita. Marc Huggenberger, Geschäftsführer und Grossratskandidat, sieht bei den Arbeitszeitmodellen weitere Optimierungsmöglichkeiten. «Sie helfen, die Fluktuation in den Betrieben zu reduzieren.»

Aktuelle Abstimmung

Auch zwei politische Geschäfte der nächsten Abstimmung wurden von Simone Stei-ner angesprochen. Alfons P. Kaufmann, Unternehmer und Grossrat, der für eine weitere Amtsperiode kandidiert, ist überzeugt, «dass die Annahme des Energiegesetzes zu mehr Bauvolumen führen wird.» Bei der Begrenzungsinitiative sprach sich Thierry Burkart klar dagegen aus, da er bei der Anstellung von ausländischen Arbeitskräften weitere bürokratische Hürden für die Bauunternehmen befürchtet. Zudem wird die Branche auch in Zukunft ohne ausländische Arbeitnehmer nicht auskommen.

Der anschliessende Stehapéro wurde zum Pflegen des Netzwerks genutzt und die Talkgäste standen für ergänzende Auskünfte zur Verfügung.

Chris Regez

Autor: admin

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