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05.10.17  |  

Mobilität gab es schon vor 5000 Jahren

Eine Kupferbeilklinge, welche 2008 in der Pfahlbaufundstelle Riedmatt in Zug gefunden wurde, stammt gemäss einer aktuellen Untersuchung aus der Toskana. Form und Rohmaterial der Zuger Klinge sind mit derjenigen des Beiles von «Ötzi» zudem praktisch identisch. Das bedeutet: Die Verwendung von Kupfer nördlich der Alpen war vor 5000 Jahren entgegen bisheriger Meinung stark durch Impulse aus dem Süden geprägt. Es gab also einen Warenaustausch, entsprechende Transporte – und ganz offensichtlich eine Infrastruktur, dass solche möglich waren.

Einblick in Spundwandkasten: Die Fundschichten, in welchen die Klinge 2008


Die kleine, unscheinbare Kupferbeilklinge wurde 2008 anlässlich der Rettungsgrabung in der Riedmatt entdeckt. Die Fundstelle liegt heute rund 800 Meter vom Seeufer entfernt. Der exzellente Zustand der organischen Siedlungsreste führte dazu, dass der Pfahlbau Riedmatt (zusammen mit 110 weiteren Pfahlbauten um die Alpen) im Jahre 2011 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Die Grabung ist zudem Bestandteil des Forschungsprojekts «Taphonomy and formation processes in waterlogged sediments» des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 

Zuger Beil hat den gleichen «Fingerabdruck» wie Ötzis Beil
Nun gibt sie in zwei wissenschaftlichen Artikeln von Eda Gross, Gishan Schaeren und Igor Villa einige ihrer Geheimnisse preis (Deutsch: «Tugium» Nr. 33 /2017; Englisch: «Archäologische Informationen», 'Early View' der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte / Suchhinweis: goo.gl/v5E2yU). «Die Bleiisotopen-Analysen durch Igor Villa am geologischen Institut der Universität Bern haben unsere Vermutungen vollumfänglich bestätigt», sagt Gishan Schaeren, Leiter der Abteilung für Ur- und frühgeschichtliche Archäologie beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Die Beilklinge aus Zug-Riedmatt stammt wie diejenige des Beils, welches 1991 zusammen mit der Eismumie vom Tisenjoch (besser bekannt als «Ötzi») gefunden wurde, aus der südlichen Toskana. Die Verhältnisse der Bleiisotopen-Werte dieser beiden Klingen sind deckungsgleich. Dieser gemeinsame «Fingerabdruck» und die frappierende Übereinstimmung der chemischen Elementanalyse weisen darauf hin, dass die beiden Klingen bezüglich Datierung, Herkunft und Werkstatttradition in einen vergleichbaren Zusammenhang der Kupferförderung und -verarbeitung im erzreichen Gebiet um Campiglia Marittima und der Colline metallifere in der Toskana gehören.

Wichtiges Puzzleteil in der europäischen Pfahlbauforschung
Die Beilklinge von Zug-Riedmatt wurde vor mehr als 5000 Jahren wahrscheinlich als Opfergabe im Wasser deponiert. Sie ist eine der ganz wenigen sicher datierten jungsteinzeitlichen Kupferbeilklingen Europas. Sie stellt deshalb ein wichtiges Puzzleteil für die europäische Archäologie dar und verdeutlicht eine Vielzahl von kulturellen Verbindungen nach Süden und die Verteilungsnetze von Kupfer vor 5000 Jahren. Diese wirkten bisher eher zusammenhangslos bzw. wurden unterbewertet.


Schweizer Bauwirtschaft 9/2017 vom 23. August 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Arbeitssicherheit:  Welchen Einfluss hat die Digitalisierung?

Technik: Der grösste Raupenkran der Schweiz im Einsatz.

Bildung: Die Webserie «Die Bauhelden» wirbt für eine Lehre auf dem Bau.

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