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01.08.17  |  

Drehbohrgerät ersetzt beim Bau einer mexikanischen Autobahn einen Subunternehmer

Die neu gebildete Geotechnik-Sparte des Unternehmens Mota-Engil Mexico SA de CV investierte in ein Liebherr-Drehbohrgerät vom Typ LB 24-270 für Pfahlbohrarbeiten beim Cardel-Poza-Rica-Autobahnprojekt.

Das Drehbohrgerät LB 24-270 im Einsatz beim Mota-Engil-Autobahnprojekt, Mexiko


Der neu gebildeten Geotechnik-Sparte von Mota-Engil Mexico SA de CV wurde ein Liebherr-Drehbohrgerät LB 24-270 von Liebherr Mexico geliefert. Damit sollen die Pfähle für den Bau der 129 Kilometer langen Cardel-Poza-Rica-Autobahn, die der Auftraggeber für Mexikos Transport- und Kommunikationsministerium errichtet, mit dem idealen Bohrverfahren eingebracht werden. Zusätzlich hat die Fa. Mota-Engil eine Liebherr-Verrohrungsmaschine gekauft, um das Einbringen der Bohrrohre für die Erstellung der Betonpfähle zu erleichtern.
Die Maschine kam Ende letzten Jahres auf diese Baustelle und wird seither beim Bau der verschiedenen Konstruktionen entlang der Autobahn eingesetzt.

Mota-Engil Mexico wurde 2012 als mexikanische Niederlassung von Portugals grösstem Bauunternehmen, Mota-Engil SGPS SA, gegründet und ist in den Bereichen Transport, Hafen, Logistik und Abfallmanagement tätig. Der Leiter für Gründungsbau bei der Geotechnik-Sparte von Mota-Engil Mexico, Pedro Gregorio, erklärt: «Liebherr-Drehbohrgeräte sind in Mexiko noch unbekannt, aber unser
Unternehmen hat schon in Portugal ausgiebig mit ihnen gearbeitet. Als wir die Geotechnik-Sparte hier eröffneten, entschieden wir uns für ein Liebherr-Drehbohrgerät, um uns von der Konkurrenz abzuheben. Wir wählten anfangs eine Mietvereinbarung, weil es in der Natur unserer Arbeit liegt, Krane und Bohrgeräte nur für kurze Zeiträume
einzusetzen, weshalb wir derartiges Equipment generell eher mieten als kaufen. Das ist das erste Mal, dass ein Liebherr-Drehbohrgerät mit Verrohrungsmaschine in Mexiko eingesetzt wird.»

Die neue Geotechnik-Sparte wurde geschaffen, damit Mota-Engil in der Lage ist, besondere Tiefbauarbeiten selbst anzubieten, ohne auf Subunternehmer angewiesen zu sein. «Das grösste Problem hier in Mexiko ist, dass viele Unternehmen im Geotechnik-Bereich nicht spezialisiert sind», sagt Pedro Gregorio. «Für diese komplexe Länge eines Autobahnprojektes beschlossen wir, unsere eigene Sparte mit unserem eigenen Team von Fachleuten und unserer eigenen Ausrüstung zusammenzustellen, damit wir keine Subunternehmer brauchen. Wir haben in das Liebherr-Drehbohrgerät sowie in andere
Ausrüstung investiert und beabsichtigen damit sowie mit der Erfahrung, die wir jetzt gewinnen, eine vollwertige Geotechnik-Sparte innerhalb von Mota-Engil zu werden. Somit können wir auch ausserhalb der unternehmenseigenen Verträge an Ausschreibungen teilnehmen.»


Die Cardel-Poza-Rica-Autobahn

Mota-Engil leitet das Konsortium, das den Zuschlag für den Bau der Cardel-Poza-Rica-Autobahn im Umfang von 3,47 Milliarden Pesos (269 Mio. US Dollar) erhalten hat. Die Konzession gilt für 30 Jahre und umfasst den Bau und Betrieb eines 129 Kilometer langen
Autobahnabschnittes zwischen Laguna Verde und Gutiérrez Zamora, der die Verbindungen im Küstengebiet des Bundesstaates Veracruz sowie zum Hafen verbessern soll. Die Konstruktion der Strasse erfüllt die Anforderungen für zwei zweispurige Fahrbahnen mit einem Mittelstreifen und einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 110 Stundenkilometer. Der Bau begann im Jahr 2016. Die bauliche Gestaltung umfasst 16 Unterführungen, 22 Überführungen, 20 Brücken und sieben Querungen für die Landwirtschaft. Die Fundamente sind dabei in Abhängigkeit von den geotechnischen Anforderungen
unterschiedlich. Bei den Überbauten wird hauptsächlich auf Fertigteile zurückgegriffen, um die knappen Terminvorgaben einhalten zu können. Laut Pedro Gregorio sind die Bodenverhältnisse entlang der Strecke unterschiedlich. Der Untergrund besteht jedoch vorrangig aus lockerem Fels, vor allem im Bereich der Flussquerungen, wo die meisten Brücken gebaut werden. «Aus diesem Grund kauften wir die Verrohrungsmaschine», sagt er. «Wir bohren bis in eine Tiefe von 37 Metern bei Pfahldurchmessern von 1,5 Metern, 1,2 Metern und 1,0 Metern. Diese lockeren Flussfelsen finden sich bis in Tiefen von 20 bis 30 Meter und haben keine Bindung. Ohne Verwendung eines
Bohrrohres würde das Bohrloch leicht einbrechen. Aus diesem Grund verwenden wir beim Abbohren die Verrohrungsmaschine zum Einbringen der Bohrrohre in 3-Meter-Abschnitten.» ««Hätten wir einen Subunternehmer eingesetzt, wäre diese Ausrüstung nicht zur Verfügung gestanden und wir hätten nicht auf diese Weise arbeiten können. Es wäre Bentonit oder Flüssigpolymer verwendet worden, um den Fels zu stabilisieren. Diese Lösung wäre jedoch nicht zufriedenstellend gewesen und wir hätten am Ende kein gutes Produkt erhalten. Die Qualität wäre sehr begrenzt gewesen.»
Das Geotechnik-Team arbeitet im Zweischichtbetrieb. Laut Pedro Gregorio sind für die Herstellung eines Pfahles mit 1,5 Metern Durchmesser zwei Schichten oder ein Tag erforderlich, um auf die Endtiefe von 37 Metern zu bohren und die Stahlarmierung einzuheben. Eine weitere Schicht oder ein halber Tag ist nötig, um den Pfahl fertig zu betonieren. «Alle Bohrrohre werden von der Verrohrungsmaschine bewegt und das Bohrgerät muss nur noch bohren», sagt er. «Die Verrohrungsmaschine hat genug Kraft, um das  Bohrrohr einzubringen und beim Einfüllen des Betons wieder zu ziehen. Sowohl das
Bohrgerät als auch die Verrohrungsmaschine werden vom Fahrer aus der Kabine gesteuert. Deshalb brauchen wir nur zwei Fahrer und beide wurden bei Liebherr Mexico für uns geschult.»
Das Liebherr-Drehbohrgerät LB 24-270 wurde für das Einbringen verschiedenster Gründungspfähle konstruiert. Zu den relevanten Verfahren gehören Kellybohren und verschiedene andere Bohrverfahren wie Doppelkopfbohren, Endlosschneckenbohren und Bohren mit Vollverdränger- oder Teilverdrängerwerkzeug. Die maximale Bohrtiefe
beträgt 58 Meter und der maximale Pfahldurchmesser liegt bei 1,9 Metern.


Schweizer Bauwirtschaft 7/8 2017 vom 20. Juli 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Building Award:  Warum nicht ein Grossprojekt prämiert wurde.

Technik: Wenn mit Robotern und 3D-Druckern gebaut wird.

Unternehmensführung: Aufgepasst auf die Änderung der Mehrwertsteuer.

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