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11.04.17  |  

Wohnen wir dereinst in «Meeresgrundkratzern»?

Wie wird die Stadt der Zukunft aussehen? Geht es nach den Vorstellungen des belgischen Architekten Vincent Callebaut, dann wird sie nicht aus Wolkenkratzern bestehen. Sie wird sich auch nicht an Land befinden. Sondern auf dem Wasser.

Der Architekt liess sich von Quallen inspirieren - so sehen die Häuser auch aus.


Callebaut will vor der Küste von Rio de Janeiro Wohnblocks auf dem Meer bauen. Das Baumaterial soll aus Müll bestehen, und zwar aus dem Plastikmüll, der auf dem Meer schwimmt. Derzeit ist es noch nicht möglich, grössere Mengen dieser inselartigen Gebilde aus dem Ozean herauszufischen, aber mehrere Forscher arbeiten an Lösungen. Callebaut will den Plastik mit Meeresalgen vermischen. Wie wird man auf dem Wasser bauen? Auch dafür hat Callebaut genaue Vorstlellungen. Seine Häuser, deren Form an Quallen erinnert, sollen aus dem 3D-Drucker kommen. Aequorora nennt der Architekt sein Projekt. Dabei sollen die Häuser nicht etwa futuristische Hausboote sein. Callebaut plant Wohntürme, die bis 1000 Meter tief in den Ozean reichen und die 250 Etagen umfassen. Die Wohnungen in ihnen sollen zwischen 25 und 250 Quadratmeter gross sein. Feste Vorstellungen hat der Architekt bezüglich der Baukosten: 1950 Euro pro Quadratmeter sollen es sein. Das ist in europäischen Städten ein realistischer Preis – aber die Siedlung soll sich ja vor der Küste Brasiliens befinden. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen ihre Inseln nicht verlassen müssen, sie können dort Algen, Obst und Gemüse anbauen, schreibt der Architekt, dem eine Selbstversorgung vorschwebt. Damit die Wohntürme im wogenden Ozean nicht davonschwimmen, sollen sie im Meeresboden verankert werden.Ein Realisierungsplan steht natürlich noch nicht fest. Allerdings sollte man Callebauts Idee auch nicht in die Schublade «nicht realisierbar» stecken. Der belgische Architekt hat zwar un­gewohnte Ideen – die er aber durchaus realisiert. In Taipeh soll noch in diesem Herbst ein von ihm entworfenes Hochhaus eröffnen, das mit 23 000 Bäumen bepflanzt ist. Sie sollen die Luftqualität verbessern. Andere von Callebauts Ideen haben es aber zugegebenermassen nicht bis zur Realisierungsreife geschafft, so etwa die «Città delle Scienza» in Rom. Bei diesem Projekt möchte Callebaut ein ehemaliges Militärgelände in ein selbstregulierendes bewohnbares Ökosystem verwandeln, und zwar in Zusammenarbeit mit den italienischen Architekten Briguglio Morales Paolo Colarossi.

https://www.youtube.com/watch?v=wy7c42e9nCM


Schweizer Bauwirtschaft 9/2017 vom 23. August 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Arbeitssicherheit:  Welchen Einfluss hat die Digitalisierung?

Technik: Der grösste Raupenkran der Schweiz im Einsatz.

Bildung: Die Webserie «Die Bauhelden» wirbt für eine Lehre auf dem Bau.

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