Politik und Wirtschaft
10.08.17  |  

AHV-Reform: Was für ein Theater!

In Aussagen gegenüber den Zeitungen Le Temps und NZZ plädiert der Präsident des AHV-Fonds, Manuel Leuthold, im Namen des Fonds für die Annahme der Reform Altersvorsorge 2020. «Damit missbraucht er die neutrale Institution des Fonds, um Politik zu betreiben. Mehr noch, er scheint seinen Auftrag zur treuhänderischen Vermögensverwaltung ganz vergessen zu haben», schreibt der Schweizerische Gewerbeverband in einer Reaktion. Der sgv fordert den AHV-Fonds dazu auf, sich von den irrigen Stellungnahmen seines Präsidenten zu distanzieren. sgv-Direktor und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler wird überdies parlamentarisch aktiv werden. Der Schweizerische Baumeisterverband empfiehlt ein Nein zur AHV-Reform, über die am 24. September 2017 abgestimmt wird.

Hans-Ulrich Bigler.


«Leuthold unterliegt mehreren Irrtümern und informiert die Öffentlichkeit falsch. Sollte die Altersvorsorge 2020 angenommen werden, wird der Fonds langfristig noch grössere Probleme haben. Die schiere Grösse der zusätzlichen Renten macht die Anlagepolitik noch kurzfristiger und damit krisenanfälliger. Wenn Leuthold dann auch noch verspricht, der AHV-Fonds könne mit der Altersvorsorge in riskantere Anlageklassen investieren oder Start-ups finanzieren, scheint er die Verpflichtung des Fonds gegenüber den Versicherten ganz zu vergessen. Der sgv als grösster Dachverband der Schweizer Wirtschaft verurteilt die Äusserungen von Manuel Leuthold aufs Schärfste. Es ist nicht Aufgabe des AHV-Fonds-Präsidenten, Politik zu betreiben. Als neutrale Institution hat sich der Fonds alleine einer Anlagepolitik im Interesse der Versicherten zu widmen. Der sgv verlangt eine Distanzierung des Fonds von den Aussagen seines Präsidenten. Zudem muss das Parlament aktiv werden, um derartige Vorfälle inskünftig zu verhindern», heisst es in der Medienmitteilung.

Der Schweizerische Baumeisterverband SBV empfiehlt seinen Mitgliedern ebenfalls ein Nein für die Abstimmung, über die am 24. September 2017 abgestimmt wird.

Nächste Woche wird es in Sachen AHV-Reform richtig theatralisch. Am 14. August 2107 führen  ab 16 Uhr auf dem Bundesplatz Bern einige Politiker ein Schauspiel auf, um — plakativ — aufzuzeigen, um was es bei der Altersreform geht. Die Schauspieler sind:

  • Toni Bortoluzzi, alt SVP-Nationalrat, als greiser Rentner
  • Doris Fiala, Nationalrätin und Präsidentin FDP-Frauen Schweiz, als Jugendschreck und Diebin
  • Sandra Sollberger, Nationalrätin SVP, als Pflegerin
  • Andi Silberschmidt, Präsident Jungfreisinnige Schweiz, als Strassenkünstler
  • Erich Hess, Nationalrat SVP, als schockierter Buspassagier
  • Hans-Ulrich Bigler, Nationalrat FDP, als Stammtisch-Kunde.

Die musikalische Untermalung übernimmt «The Magic Five» mit Special Guest Drummer aus dem Ständerat. 

Achtung: Der Anlass ist nur für Personen zwischen dem 45. und dem 64. Lebensjahr kostenlos, wie der sgv schreibt. Kinder und Rentner seien nur zugelassen, wenn sie einen Check über 1,4 Milliarden Franken abgeben. Dies in Anspielung auf die Verlierer der Reform. 

 


Schweizer Bauwirtschaft 9/2017 vom 23. August 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Arbeitssicherheit:  Welchen Einfluss hat die Digitalisierung?

Technik: Der grösste Raupenkran der Schweiz im Einsatz.

Bildung: Die Webserie «Die Bauhelden» wirbt für eine Lehre auf dem Bau.

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