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12.07.17  |  

Spektakuläre Bauarbeiten in Zugs Untergrund

Eine Tunnelbohrmaschine mit einem Tunnelbohrkopf mit einem Durchmesser von 2,7 Metern Länge gräbt sich seit dieser Woche im «Microtunneling»-Verfahren unter der Stadt Zug hindurch, vom Zugersee bis zur V-Zug, in einer Tiefe von acht bis zehn Metern. Die neue Meteorwasserleitung mit einer Länge von 1.8 Kilometern wird im Herbst 2018 in Betrieb genommen. Mit dem zeitgleichen Bau einer zweiten, parallel zum Tunnel für die Entwässerung laufenden Bohrung, beginnt das Zuger Energieversorgungsunternehmen WWZ mit dem Bau des Energieverbunds Circulago. Ziel des Generationenprojekts ist die Versorgung der Stadt Zug und Baar-Süd mit umweltfreundlicher Wärme- und Kälteenergie. Gewonnen wird diese aus dem Zugersee.

Getauft wurde der Bohrkopf von seiner Namensvetterin, der Zuger Sängerin und Tänzerin Isabelle Flachsmann.


Der Stadtrat von Zug hat bereits 1995 mit dem Generellen Entwässerungsplan (GEP) einen Paradigmenwechsel in der Siedlungsentwässerung beschlossen: vom sogenannten Misch- zum Trennsystem. Dieses führt das Regenwasser vom verschmutzten Abwasser getrennt ab und entlastet die Kläranlage. Seither setzt die Stadt den GEP konsequent um. Mehr als zwei Drittel der Siedlungsentwässerung der Stadt Zug sind heute schon auf das Trennsystem umgestellt. «Mit der Vorflutleitung Zugersee wird die Trennung von Schmutz- und Regenwasser weiter voran-getrieben mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Gefahr von Überschwemmungen sinkt», freut sich André Wicki, Chef des Baudepartements. Die Wasserqualität des Zugersees verbessere sich stetig und die weitergeleiteten Wassermengen zur Kläranlage gingen selbst bei starkem Regen zurück.

Zuger Basistunnel
Die Leitung wird im sogenannten Microtunneling-Verfahren erstellt. Dies ist eine unterirdische Baumethode, welche Verkehrsbehinderungen gegenüber der klassischen Bauweise minimiert. Das Projekt der Stadt Zug ist zurzeit eines der grössten dieser Art in Europa. «Das Microtunneling ist eine Meisterleistung der Ingenieure. Es geht schneller, ist kaum hörbar und erst noch günstiger, als wenn man die Strassen auf der gesamten Strecke von 1.8 km aufreissen müsste», sagt Wicki. Die Umsetzung erfolgt mit einer ähnlichen, mit 2.7 Metern Durchmesser jedoch deutlich kleineren Tunnelbohrmaschine als diejenige für den Bau des Gotthard-Basistunnels. Für die Bohrarbeiten sind fünf grosse Bauschächte (Start- und/oder Zielschächte) notwendig. An den Kreuzungen Göblistrasse/Industriestrasse, Gotthardstrasse/Industriestrasse, Gubelstrasse/Indus-triestrasse, beim Kreisel an der Aabachstrasse sowie am See bei der Schützenmattwiese.

Seewasser als Energiequelle zum Heizen und Kühlen
Entlang derselben Achse realisiert das Zuger Energieversorgungsunternehmen WWZ die ersten Leitungsabschnitte des Energieverbunds Circulago, welcher die Energie im Wasser des Zugersees nutzt. 400 Meter vor dem Ufer wird Seewasser gefasst und über eine Leitung zur unterirdischen Seewasserzentrale in der Schützenmatt transportiert. Dort wird die Temperatur des Seewassers mittels Wärmetauschern an ein zweites, separates Leitungsnetz übergeben. Dessen Leitungen, die in einem parallel zur Vorflutleitung verlaufenden Tunnel geführt werden – transportieren die Energie in die Energiezentralen in den Quartieren. Dort wird die Wärme mittels Wärmepumpen erzeugt und über ein konventionelles Fernwärmenetz zu den angeschlossenen Objekten verteilt, die Kälte über Fernkälteleitungen. Die Erschliessung von Zug und Baar-Süd erfolgt in mehreren Etappen und orientiert sich an den Kundenbedürfnissen. Die Koordination der ersten Leitungsabschnitte von Circulago mit dem Entwässerungsprojekt der Stadt bietet beträchtliche Vorteile: Die unterirdischen Verteilleitungen können innert nützlicher Frist via Schützenmatt und Aabachkreisel bis zur Achse Gubelstrasse / Industriestrasse / Göblistrasse geführt werden, und es verhindert zusätzliche bauliche Emissionen und Verkehrsbehinderungen.
Andreas Widmer, CEO von WWZ, ist überzeugt: «Circulago leistet einen bedeutenden Beitrag zur regionalen erneuerbaren Energiezukunft und unterstützt die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft, denen das Zuger Stimmvolk 2011 zugestimmt hat. Im Endausbau werden wir mit Circulago den CO2-Ausstoss um bis zu 80 Prozent reduzieren können. Das Interesse auf Seite namhafter Ankerkunden ist gross, und ich bin froh, dass WWZ anlässlich des 125-jährigen Jubiläums mit dem Bau dieses Generationenprojekts startet.» 


Schweizer Bauwirtschaft 7/8 2017 vom 20. Juli 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Building Award:  Warum nicht ein Grossprojekt prämiert wurde.

Technik: Wenn mit Robotern und 3D-Druckern gebaut wird.

Unternehmensführung: Aufgepasst auf die Änderung der Mehrwertsteuer.

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