Traumberuf auf dem Bau gefunden

Bauführerin Aline Danner von der Walo Bertschinger AG leitet beim Bau der Limmattalbahn ein Gleisbauteam – letztes Jahr mit Babybauch.

Welchen Beruf wählt eine Frau, die in ihrer Kindheit intensiv rhythmische Gymnastik betrieb und die ein Gymnasium altsprachlicher Richtung absolvierte? Sie wird Bauführerin und leitet beim Bau der Limmattalbahn ein Gleisbauteam aus lauter Männern. Überrascht? In der Tat ist Aline Danner eine aussergewöhnliche Frau mit vielen verschiedenen Interessen.

Da wären einmal die Sprachen, die sie gerne erlernt. So kam es, dass sie nach der Matura zunächst einmal einen Auslandaufenthalt absolvierte. Aus der Ferne sieht man manchmal einiges klarer, und bei Danner reifte die Erkenntnis, dass sie Spass an Mathematik und Physik hatte und dass ihr ein vor dem Auslandaufenthalt absolviertes Praktikum in einem Planungsbüro grossen Spass bereitet hatte. Also schrieb sie sich nach ihrer Rückkehr in die Schweiz an der ETH ein, Studienrichtung Bauingenieurin. «Ein Architekturstudium wäre auch eine Option gewesen, aber das hat den Ruf, ein «Schlafsackstudium» zu sein, also sehr zeitintensiv», erläutert sie. Die ETH erwies sich für sie aber nicht als idealer Studienort, darum wechselte sie nach einem Jahr an die ZHAW, wo sie die grössere Nähe zur Praxis, zum Bau schätzte.

Von Chile zu Walo

Wobei der Schweizer Bau zuerst einmal warten musste. Das erste Praktikum als frischgebackene Bauingenieurin absolvierte Danner in Chile. Spanisch zu lernen sei ihr nicht schwer gefallen, erläutert sie. Einen Moment später berichtet sie weiter, sie habe auch Portugiesich gelernt, dies allerdings in einem Sprachkurs in der Schweiz. Mit den Portugiesen in ihrem Team unterhält sie sich darum gerne in deren Muttersprache. «Das schätzen sie.»

In Chile stellte sich Danner die Frage, wie sie ihren beruflichen Weg weiter gehen wollte. Weil sie bereits in Ingenieurbüros tätig gewesen war, entschloss sie sich, einen Job bei einer Bauunternehmung zu suchen. Gleich die erste Firma, in der sie sich vorstellte, wollte sie. Im September 2014 begann sie bei Walo Bertschinger, von Anfang an im Gleisbau.

«Gut fürs Team»

Sie sei sehr gut aufgenommen worden, lobt Danner. «Eine Frau tut den Teams eben gut», findet sie und fügt hinzu: «Die Leute haben Freude, dass eine Frau auf dem Bau arbeitet.» Schmunzelnd fügt sie hinzu, manchmal werde sie schüchtern gefragt, welche Position sie denn innehabe. Denn Umgang mit ihr erlebt sie als respektvoll. Im Grunde, sinniert sie, sei es so, dass sich jeder junge Berufsmensch sich zuerst beweisen müsse, egal ob Mann oder Frau. Mit der Limmattalbahn beschäftigt sich Danner gleich mit einem sehr grossen Projekt. Das sehr spannend sei, wie sie ergänzt. 15 Personen, alles Männer, leitet die Bauführerin. Die ihr Büro sehr schnell auf die Baustelle gezügelt hat. «Weil das besser funktionierte», wie sie erläutert.

Chefin mit Babybauch

Im Jahr 2016 hat Danner geheiratet, Ende 2018 kam ihr Sohn Nico zur Welt. «Die Leute waren alle sehr zuvorkommend zu mir und aufmerksam», lobt sie. Ein halbes Jahr bezog sie Mutterschaftsurlaub, teilweise unbezahlt. Als sie zurückkam, arbeitete sie zunächst 50 Prozent, mittlerweile sind es 60 Prozent. Die Arbeit macht Danner eben grossen Spass, wie sie erklärt.

Bei der Eröffnung der Limmattalbahn war Danner mit dabei. Es sei eine Befriedigung, zu sehen, wie ein Bauwerk, an dem man mitgearbeitet habe, der Öffentlichkeit übergeben werde, meint sie. Mittlerweile sind sie und ihr Team bereits mit der zweiten Etappe der Bahn beschäftigt. Danner erzählt begeistert davon. Klarer Fall: Diese Frau steht im Gleisbau ihren Mann.