Digitalisierung: Deutsche Baumaschinenhersteller sind für Standardisierung

Der vom deutschen Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) ausgerichtete Branchentreff «Digitale Standardisierung für Baumaschinen und Baugeräte im BIM-Prozess» hat aufgezeigt, dass es auf dem Weg zur Digitalisierung viele Insellösungen gibt, das Thema generell jedoch an Fahrt gewinnt. Die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer erteilte dem Verband das Mandat, die Entwicklung einer neutralen Web- oder FMS-Schnittstelle voranzutreiben.

Ziel des ersten Branchentreffs dieser Art war es, Möglichkeiten zur Optimierung der digitalen Produkte zu erarbeiten. Der VDBUM treibt die Digitalisierung im Baumaschinenbereich seit Langem voran und hatte über den Arbeitskreis Telematik die Grundlagen der ISO Norm 15143-3 zur Datenstandardisierung von Erdbaumaschinen geschaffen.

Im Impulsvortrag der zweitätigen Veranstaltung bezeichnete Rainer Bareiß (Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG) die Schaffung einer Plattform für alle Maschinen als unabdingbar. «Wenn jeder Hersteller seinen eigenen Standard etabliert, dann werden wir nicht zusammenarbeiten können», warnte Bareiß. Diese Herausforderung markierte das Schwerpunkthema von acht Podiumsgesprächen, in denen rund 40 Experten das Thema Digitalisierung aus den Blickwinkeln der Veranstaltungsteilnehmer – Anwender, Anbieter, Vermieter und Serviceanbieter – vertieften.

Vertreter der Bauindustrie mit einem gemischten Maschinen- und Anbaugerätebestand sowie Anbieter von Steuerungstechnik äusserten den Wunsch, alle relevanten Maschinendaten in einer Cloud vorzufinden. Dafür müssten die Maschinenhersteller ihre Schnittstellen öffnen und perfekt beschreiben. Klärungsbedarf zeigte sich hinsichtlich der Frage, wer als Eigentümer der Daten zu betrachten ist. Markus Lange (Zeppelin Baumaschinen GmbH) nannte die ISO Norm 15143-3 eine Arbeitsgrundlage auf dem Weg zu einer herstellerübergreifenden Standardisierung. Am Beispiel Leerlauf beschrieb er, dass die Definitionen der einzelnen Unternehmen derzeit weit auseinander liegen.

Die Vertreter der Hersteller von Anbaugeräteherstellern würden eine Bedienung über die Hauptsteuerung bevorzugen. Um ihren Kunden aktuell einen Mehrwert zu bieten, befinden sich mehrere Unternehmen im Austausch, erarbeiten Schnittstellen und einheitliche Standards. Auch auf dem Mietmarkt spielt die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle, etwa bei Fragen zum Standort, den Einsatzzeiten oder dem Wartungsbedarf.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) wird in der Baubrache eine wichtige Position einnehmen. Bis die autonome Baustelle aber Realität wird, werden noch Jahre vergehen. Ralf Schäfer (Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut) erklärte, dies sei dann möglich, wenn KI-gestützte Baumaschinen gelernt hätten, verlässlich die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf die Frage nach konkreten KI-Einsatzbereichen nannte Frank Will, Professor an der TU Dresde die Bodenerkennung, Manfred Helmus, Professor an der Bergischen Universität Wuppertalsah bei Verträgen und der Bauausführung Möglichkeiten zur Erhöhung der Sicherheit, Florian Wenzler von der TU München ergänzte dies um die Personen- und Warenerkennung. Dass viele Entwicklungen nicht schneller gelängen, liege auch an veralteten Lehrinhalten und der schlechten Ausstattung mancher Hochschule, kritisierte Helmus. Er forderte eine Aufstockung der Geldmittel für Forschung und Lehre.

Ein Thema war BIM, gesprochen wurde dabei über die BIM-Projekte der Bahnstrecke Karlsruhe-Basel. Es zeigte sich, dass viele Planer nur wenige BIM-Kenntnisse haben und es auch in diesem Bereich noch zu viele Insellösungen gibt.

Digitaler Zwilling

Die Dokumentation aller Betriebsdaten einer Baumaschine zur Gewinnung weiterer Erkenntnisse erachteten fast alle Teilnehmer des von Martin Kuhn (Strabag BMTI GmbH & Co. KG) moderierten Workshops «Werkstatt- und Gerätedisposition / Digitaler Zwilling» als sehr wichtig oder wichtig. Die derzeitige Versorgung mit Stammdaten durch die Hersteller und auch der Ressourceneinsatz zur Stammdatenverwaltung im Unternehmen sehen die Teilnehmer als mittelmässig an. Die Mehrheit sieht die Notwendigkeit, zu jeder Baumaschine einen digitalen Zwilling zu führen und würde bei einer Veräusserung den digitalen Zwilling in vollem Umfang bereitwillig mitliefern.