Baumeister fordern Sistierung der Stellenmeldepflicht für Berufe mit Fachkräftemangel

Qualifizierte Fachkräfte sind auf dem Bau gesucht. Es herrscht Fachkräftemangel. Trotz einer Bereinigung bei den Berufsbezeichnungen besteht nun ab Januar 2020 die Gefahr, dass Fachkräfte, welche erfolgreich eine dreijährige Lehre im Tiefbau abgeschlossen haben, unter die Stellenmeldepflicht fallen. Aus Sicht des Schweizerischen Baumeisterverbandes liegt der Grund nicht in der Senkung der Schwelle von 8 auf 5 Prozent, sondern in der ungenügenden Überprüfung der Berufsbezeichnungen, welche unter anderem mittels Befragungen von Arbeitskräften statistisch erhoben werden. Der SBV fordert, dass für Berufe mit Fachkräftemangel per Januar 2020 die Stellenmeldepflicht sistiert wird, bis die Qualität der Datenerhebung sichergestellt ist.

Ob eine Berufsart mehr oder weniger als 5 Prozent Arbeitslosigkeit aufweist, ermitteln das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO und das Bundesamt für Statistik BfS mit Listen, die schwergewichtig auf Selbstdeklarationen der Stellensuchenden beruhen. Bezeichnet sich eine Person bei den Grundlagenerhebungen des BfS oder bei der Arbeitslosenmeldung selbst als qualifiziert, wird dies im aktuellen Erfassungsprozess nicht überprüft. Zur präzisen Erfassung der Berufsbezeichnungen existieren zudem kaum Hilfsmittel wie zum Beispiel eine Auswahl an Berufsbezeichnungen in verschiedenen Sprachen, welche den betroffenen Personen bei der Selbsteinreihung eine Orientierung geben würden. Genauso wenig werden die Selbstdeklarationen durch den Bund, die Kantone oder die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) systematisch überprüft. Es kann nicht allein Aufgabe einer Hilfskraft im Strassenbau sein, sich bei der Befragung auf eine bestimmte, im Baustellenalltag nicht übliche Berufsbezeichnung wie «Bauarbeiter mit Fachkenntnissen» festzulegen – und das allenfalls erst noch in einer Sprache, die nicht seine Muttersprache ist.

Die mangelhafte Qualität bei den Angaben einen Stellensuchenden führt möglicherweise dazu, dass Tätigkeiten mit Fachkräftemangel, wie ein Strassenbauer mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ, ab Januar 2020 unter die Stellenmeldepflicht fallen werden.

Der Schweizerische Baumeisterverband fordert Ausnahmen für den Tiefbau 

Für den Schweizerischen Baumeisterverband SBV ist diese Situation inakzeptabel. Der nationale Branchenverband für das Bauhauptgewerbe fordert eine Sistierung der Stellenmeldepflicht für Berufe mit Fachkräftemangel. «Eine solche Umsetzung der Stellenmeldepflicht hat nichts mit der vom Volk und Gesetzgeber beabsichtigten Wirkung zu tun. Das ist reine Bürokratie und für die Unternehmer ein administrativer Leerlauf», sagt Bernhard Salzmann, Vizedirektor beim Schweizerischen Baumeisterverband. Solange die Qualität bei der Erfassung der Grundlagen nicht erhöht werden kann, soll die Stellenmeldepflicht für die qualifizierten Berufe sistiert werden, fordert der Verband. «Wir sind gerne bereit, das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO und das Bundesamt für Statistik BFS bei der Optimierung der Datengrundlagen im Bauhauptgewerbe zu unterstützen», so Salzmann weiter.