Wohnen über Aldi und Lidl

In deutschen Städten sind Wohnungen Mangelware. Die beiden Discounter Aldi und Lidl, die beide meist eingeschossige Verkaufsfilialen an  guter Lage betreiben, haben das entdeckt. Bereits sind erste Projekte mit Wohngeschossen über der Ladenfläche entstanden. Verdichtung ist auch in der Schweiz ein Thema.

Berlin, Prenzlauer Allee 44:  Eine gepflegte Wohnsiedlung mit sechs Geschossen und Terrassen. Speziell am Gebäude ist, dass sich unten eine Lidl-Ladenfiliale befindet. Und dass diese schon stand, bevor die Wohnungen kamen. Während in Städten häufig Wohngebäude inklusive Gewerberäumlichkeiten geplant werden, war es hier gerade umgekehrt. Weil in Berlin Wohnungen Mangelware sind, entschieden sich die Verantwortlichen von Lidl, auf der bestehenden Filiale Wohnungen zu errichten. Das könnte in Zukunft noch vermehrt vorkommen. 194 000 Wohnungen werden in Zukunft in Berlin benötigt, rund ein Fünftel könnte über Discounterfilialen erstellt werden. Lidl steht solchen Ideen gemäss den Verantwortlichen positiv gegenüber. Kein Wunder: Die Aufstockungen ermöglichen, was eigentlich unmöglich erscheint, nämlich eine Vergrösserung der Verkaufsfläche. Ohne Bauprojekt über der Filiale würde eine Genehmigung für eine Vergrösserung der Filiale nicht erteilt.

Extrawurst für Aldi?

Nicht nur in Berlin sind Wohnungen knapp, sondern auch in der Pfalz. In Landau fehlen konkret 400 Studentenwohnungen. Hier kam Aldi ins Spiel. Der Discounter will nicht nur aufstocken, sondern seine Ladenfläche von 1041 auf 1399 Quadratmeter vergrössern. Letzteres geht nur, wenn Wohnungen realisiert werden. Das haben die Verantwortlichen von Aldi Süd denn auch vor. Allerdings nur, wenn sie das Gesetz nicht einhalten müssen. Denn dieses schreibt zwingend eine Sozialwohnungsquote vor. Dass günstiger Wohnraum per Gesetz zur Verfügung gestellt werden muss, scheint auf den ersten Blick keine schlechte Sache zu sein. Wenn da der Haken nicht wäre: Wer soll das bezahlen? Für Aldi würde es bedeuten, dass ein Viertel der Wohnungen deutlich günstiger vermietet werden müssten als die übrigen. Das rentiere nicht, argumentieren die Verantwortlichen. Der Umstand, dass die Wohnungen dringend benötigt werden, spielt ihnen in die Hände. Gut möglich, dass Aldi Süd eine Extrawurst erhält.

So oder so zeigt sich in Deutschland, dass nicht neues Land verbaut werden muss, sondern dass durch clevere Aufstockungen neuer Wohnraum entstehen kann. Daran können sich Schweizer Städte ein Vorbild nehmen.