«Schweizer Arbeitsplätze wären bedroht»

Letzte Woche verabschiedeten die Sektionspräsidenten des SBV eine Resolution, mit der sie sich zum GAV FAR bekannten. Die Sanierung habe leistungsseitig zu erfolgen, erläutern sie in Gesprächen, die die SBW mit ihnen führte. Bei den Beiträgen sei die Schmerzgrenze erreicht. Sie befürchten, Schweizer Bauunternehmen könnten gegenüber ausländischen Mitbewerbern noch stärker benachteiligt werden und warnen, es drohe ein Verlust von Schweizer Arbeitsplätzen.

Alfred Zimmermann, Präsident Kantonal-Bernischer Baumeisterverband

Ich habe selber Maurer gelernt, ich weiss, wie die Arbeit auf der Baustelle ist, die Mitarbeitenden sind mir dementsprechend wichtig. Mit dem GAV FAR haben wir ihnen sehr gute Bedingungen geschaffen. Die Verabschiedung der Resolution hat mich gefreut, auch wenn ich selber einen Schritt weitergegangen wäre und gesagt hätte: Wenn die Gewerkschaften die Sanierung weiterhin blockieren, dann schaffen wir den FAR ab. Ich stelle fest, dass die Gewerkschaften nicht wissen, was sie tun. Einerseits wollen sie die Zahl der Akkordanten auf der Baustelle reduzieren, andererseits ist es so, dass ihr Vorschlag einer Beitragserhöhung es mit sich bringen würde, dass Arbeitgeber vermehrt auf temporäre Angestellte zurückgreifen würden, weil noch höhere Beiträge nicht tragbar sind.

Mathias Tschanen, Präsident Thurgauischer Baumeisterverband

Die Resolution ist ganz in meinem Sinn. Wir müssen den FAR finanziell für die Zukunft fit machen. Dabei ist eine Beitragserhöhung ein No-Go. Auf der Arbeitgeberseite ist mit 5,5 Prozent ganz klar die Schmerzgrenze erreicht, und auf der Arbeitnehmerseite gibt es auch keine Möglichkeiten. Mich stört, dass die Gewerkschaften die Diskussionen um den FAR und um den LMV vermischen. Der FAR ist eine eigenständige Institution!

Pierre Parietti, Präsident der SBV-Sektion Jura

Es ist wichtig, dass wir den FAR retten, aber es müssen nicht 60 Jahre sein. Wir müssen nun den Gewerkschaften klarmachen, wie viel die Baumeister für den FAR leisten. Sowohl auf der Arbeitgeber- als auch auf der Arbeitnehmerseite sind die Beiträge bereits sehr hoch, eine Erhöhung ist deshalb keine Option. Für die Unternehmer bedeuten die hohen Beiträge, dass ausländische Unternehmen, die in der Schweiz tätig sind, die aber keine FAR-Beiträge leisten müssen, bevorzugt werden. Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung und daher zu einer Gefährdung von Schweizer Arbeitsplätzen. Was wir heute gesehen haben: Die Arbeitgeber sind die besseren Fürsprecher für die Angestellten als die Gewerkschaften, denn sie haben den klaren Willen, den FAR zu retten.

Mauro Galli, Präsident der SBV-Sektion Tessin

Die Arbeitgeberbeiträge sind sehr hoch, da gibt es absolut keine Möglichkeiten, diese noch zu erhöhen. Gerade in Randregionen wie dem Tessin sind die Bauunternehmer einer Konkurrenz aus dem Ausland ausgesetzt. Die italienischen Bauunternehmen müssen keine FAR-Beiträge zahlen, sie sind gegenüber den Tessiner Unternehmen also im Vorteil. Das ist unfair. Die Gewerkschaften müssen begreifen, dass der FAR nur auf der Leistungsseite nachhaltig saniert werden kann.

Reto Birrer, Präsident Baumeisterverband Luzern

Die SBV-Sektionspräsidenten stehen mit der heutigen Resolution zum FAR. Die Baumeister nehmen hier eine grosse soziale Verantwortung wahr, weil sie Arbeitnehmern die Frühpensionierung ermöglichen. Sie entlasten so die Sozialwerke. Ohne den FAR würden viele Unqualifizierte ab 50 Jahren entlassen, weil sie einfach zu ersetzen sind. Das würden die IV und die Sozialwerke spüren. Ich höre von Arbeitnehmern immer wieder, dass für sie das Alter 60 nicht sakrosankt ist, wichtiger ist das Bestehen der Institution FAR. Die Arbeitnehmer wissen, dass der Markt Beitragserhöhungen auf der Arbeitgeberseite nicht zulässt. Daher muss die Korrektur leistungsseitig erfolgen.

Martin Kummer, Präsident Baumeister Verband Aargau

Die Attraktivität des FAR – er wird von allen Mitarbeitenden genutzt – und die demografische Entwicklung haben zur Unterdeckung geführt. Wir Präsidenten haben uns mit der Resolution zum FAR bekannt, wobei wir eine Beitragserhöhung ausschliessen. Eine solche würde Schweizer Arbeitsplätze gefährden, denn sie ist für die Unternehmer nicht tragbar.

Odilo Gamma, Präsident Baumeisterverband Uri

Den SBV-Sektionspräsidenten ist es wichtig, dass der FAR finanziell gesund ist, auch in Zukunft. Das geht nur mit Abstrichen auf der Leistungsseite. Eine Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge würde zu mehr Entsandten aus dem Ausland führen und damit zu einer Gefährdung von Schweizer Arbeitsplätzen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Gewerkschaftsverantwortlichen ihrer Verantwortung bewusst sind, denn sie handeln gegen die Interessen ihrer Mitglieder. Diese wollen ihre Arbeitsplätze nicht gefährden, und sie wollen auch in Zukunft einen gesunden FAR haben.

Daniel Steiner, Präsident Baumeisterverband Sektion Zürcher Unterland

Eine Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge liegt als Lösung für die Sanierung des FAR definitiv nicht drin. Ich kenne Bauunternehmer, die sich überlegen, ob es sich überhaupt noch lohnt, eine Firma zu führen. Das wirtschaftliche Umfeld ist schwierig geworden, man verdient zu wenig. Wenn die Beiträge erhöht würden, würden sie ihr Unternehmen schliessen beziehungsweise schliessen müssen. Wir müssen den FAR also auf der Leistungsseite sanieren. Aus ihrer Warte gesehen müssen sich die Vertreter der Gewerkschaften so verhalten, wie sie es tun.