Schweizer Baumaschinentechnik für niederländische und deutsche Tennisplätze

Im Tennis zählt die Schweiz zu den Besten, Roger Federer sei dank. Einen «Roger Federer» gibt es auch unter den Baumaschinen, und zwar die  neue Prallbrechanlage Gipokombi 130 FDR, die bei der Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH aus alten Ziegelsteinen Tennissand herstellt.

Die Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH aus Nettetal, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, zerkleinert und verarbeitet Abbruch-Ziegel und Dachpfannen. Die Wiederaufbereitung des Materials dient der Produktion von Bodenbelägen für Tennis-Aussenplätze im kompletten niederländischen Raum wie auch in grossen Teilen Deutschlands. Daneben zerkleinert das Unternehmen auch anderes Material, zum Beispiel Keramik zur Rückführung von Fehlbränden in die Keramikindustrie. Schon immer hat die Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH Prallbrechertechnologien im Einsatz gehabt. Auf der letztjährigen Steinexpo in Homberg/Ohm konnte der Schweizer Brechanlagen-Hersteller Gipo die Aufmerksamkeit des Managements für seine ausgestellte grossformatige Prallbrechanlage Gipokombi 130 FDR gewinnen.

Die raupenmobile Prallmühle beeindruckt optisch mit einem Gesamtgewicht von 92 Tonnen – der Rotordurchmesser alleine misst 1300 Millimeter. Die Anlage ist deshalb so schwer, weil sie mit einer aktiven Vor- und einer Nachsiebeinheit ausgestattet ist. Beim Nachsieb handelt es sich um einen Doppeldecker im Format 1,80 x 5,50 Meter, worüber sich bis zu drei Endprodukte absieben lassen. Unter Berücksichtung des zusätzlichen Vorsiebs besteht sogar die Option für vier Endprodukte. Neben der Überkornrückführung ist zusätzlich eine Windsichteranlage an Bord, die aus dem gesiebten Material alle auftretenden Störstoffe herausbläst. Leichtmaterialien wie Kunststoffe oder Holz werden so von vornherein aus dem gesamten Verarbeitungskreislauf herausgezogen.

Der neue innovative Brecher-Direktantrieb der Kombi-Anlage ist kraftstoffreduziert: Während vergleichbare Anlagen bei der Betätigung des Direktantriebs auf Anhieb 70 Liter Diesel verbrauchen, benötigt die Gipokombi 130 FDR lediglich 35 bis 40 Liter Dieselkraftstoff. Bei einer Kraftstoffersparnis von durchschnittlich 30 Litern pro Betriebsstunde und einem durchschnittlichen Betriebsstundeneinsatz von 1500 Stunden pro Jahr ist der wirtschaftliche Vorteil immens. Das Management der Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH legte alleine schon deshalb grossen Wert auf einen sparsamen dieselhydraulischen Direkt-Antrieb, um elektrische Ausfälle oder Störungen – die bei dieselelektrischen Antrieben vorkommen können – von vornherein auszuschliessen.
Die Maschine arbeitet mit zwei Prallschwingen, eine als Vorbrecher und die andere als Hauptbrecher. Theoretisch wäre es sogar möglich gewesen, eine dritte Prallschwinge mit entsprechender Mahlbahn zu integrieren, sofern die Absicht bestanden hätte, Splitte zu produzieren.

Die Anlage verfügt über grosszügig geschnittene zugängliche Bereiche, beispielsweise im Brechraum und der Austragsrinne. Das Konstruktionsprinzip setzt sich in der Dimensionierung von Austragsband (1600 mm) und Austragsrinne (1300 mm) fort. Verjüngungen oder Verengungen gehen hier nicht zu Lasten des Material- beziehungsweise Verarbeitungsflusses. Im Zusammenspiel mit dem Magneten sind eisenhaltige Ergebnisse in der Recyclingaufbereitung nahezu ausgeschlossen. Die Stärke der Verschleissbleche liegt bei 30 Millimetern – demnach eine Verdopplung gegenüber Anlagen anderer namhafter Hersteller. Das erklärt möglicherweise, warum in den GUS-Staaten Gipo-Modelle der gleichen Serie eingesetzt werden, die bereits über 60 000 Betriebsstunden gelaufen sind.

Innerhalb von nur 10 Wochen nach der Bestellung stand die neue Gipo-Anlage auf dem Hof. Alle Rahmenbau- und Fahrwerksteile, Vibrationsrinnen, Siebmaschinen, Powerpack sowie Brecher und Rotor werden ausschliesslich am Stammsitz in der Schweiz gefertigt. Sämtliche Bauteile sind dort auch stets vorrätig.

Von der Schweiz aus wurde der 80 Tonnen schwere Brecher, die Magneteinheit mit Gestell (7 Tonnen) sowie das Seitenband für das Vorsieb getrennt auf den Transportweg gebracht. Nach gut zwei Tagen sowie einer Aufbauzeit von lediglich einer Stunde war die Maschine in der Hausfarbe von Thijssen Emans & Co. B.V. bereits einsatzbereit. Die Qualität der ersten Ergebnisse entsprach auf Anhieb den hohen Ansprüchen des Unternehmens aus dem Grenzgebiet. Da in den Niederlanden die Massstäbe an Recyclingprodukte sogar noch höher gesetzt werden als in Deutschland, war das Management bei der Inbetriebnahme angenehm überrascht.